Schwarze Madonnen -

Heidnisch, Matriarchat oder geschicktes Product-Placement der römischen Kirche als Teil der Marketingstrategie »Marienverehrung«?

An vielen Orten Europas pilgern und beten Gläubige zu schwarzen Muttergottes-Darstellungen. Meist sind es Wallfahrtsstätten, und um die Schwarzheit der Madonnen ranken sich Wundergeschichten und Mythen. Die katholische Kirche ist bis heute in Erklärungsnot und erzählt Geschichten von Kerzenruß, der eigenartiger weise immer nur das sonst übliche lichte und reine Antlitz der Muttergottes schwärzte. Der Ursprung des Phänomens der schwarzen Madonnen gibt bis heute Rätsel auf, symbolisiert schwarz doch das Böse und den Teufel, und üben diese schwarzen Madonnen auch eine besondere Anziehungskraft auf die Menschen aus.

 
Isis und Horus
Isis und Horus
babylonische Gottheit
babylonische Gottheit
Devaki und Krischna
Devaki und Krischna
 

Urgeschichtliche Forschungen zeigen, daß der patriarchalen Gesellschaft eine mutterrechtliche voranging. Fast alle Völker kennen den Mythos von einer mütterlichen Gottheit, von der fruchtbaren Spenderin des Wachstums und des Reichtums, von der großen Nährerin. Sie ist unter vielen Namen bekannt: Anahita (Persien), Aphrodite (Zypern), Ariadne (Kreta), Artemis (Ephesos), Freyja (Germanien), Isis (Ägypten), Kali (Indien), Maria (Palästina). Die große Urmutter, die »Mutter Erde« aus deren Schoß alles Leben hervorgeht und der es wieder verschlingt wird mit Schwarz symbolisiert.
Am Anfang war das Nichts, aus ihm gebar sich alles, sagen die heiligen Bücher der Asiaten. »Gott sprach: Es werde Licht« sagt die Bibel. Schwarz und Weiß wurden von Anbeginn der Menscheitsgeschichte eine große Bedeutung zugeschrieben, sie verkörpern die Prinzipien Licht und Finsternis, Gut und Böse, Leben und Tod, die größten und menschenbewegenden Gegensätze überhaupt. Beides zusammen ist erst das Sein in seiner Gesamtheit, dieses Weltbild liegt fast allen Religionen zugrunde. Der dunklen, »schwarzen« weiblichen Urgottheit Erde wird in den meisten Religionen das lichte Prinzip eines männlichen Schöpfergottes entgegen gestellt. (Mehr dazu können Sie auf den Seiten Die Göttin und ihr Heros von Hans Lainer, Matriarchats- und Urgeschichtsforschung von Gabi Uhlman und Die Sprache der Göttin von Margarete Susman lesen.)

Schwarze Madonna von Maria Einsiedeln
Bild:www.wallfahrt-einsiedeln.ch
Das Christentum hatte zunächst nur einen männlichen Schöpfergott. Bei der Christianisierung stellte sich der römischen Kirche das Problem, daß die missionierte Bevölkerung immer wieder dazu zurückkehrte zu ihren heidnischen Göttinen wie Isis, Lilith, Kybele oder Diana zu beten. Nicht nur die feministische Theologie geht davon aus, daß dieser Umstand zur Einführung der Marienverehrung im Jahre 431 führte. Es gibt Stimmen die behaupten, erst die Einführung der Marienverehrung ermöglichte die endgültige Etablierung des Christentums.
Die freien Christen für den Christus der Bergpedigt äußern sich im römischen Jubeljahr 2000 kritisch zur Marienverehrung, und betrachten sie als babylonisches Heidentum. Für sie ist die Erfindung der Marienverehrung der Römischen Kirche als Ersatz für die antike Verehrung der Mutter-Gottheit, ein herausragendes Beispiel, wie sehr das babylonische Heidentum in unsere Tage hineinreicht. Die Tatsache, daß in heidnischen Religionen die Mutter genauso (oder noch mehr) angebetet wird wie ihr Sohn, ist vielleicht der größte Beweis dafür, daß sich Marienanbetung aus der früheren Anbetung der heidnischen Mutter-Gottheit heraus entwickelte!

Schwarze Madonna von Jasna Gora, Muttergottes von Tschenstochau, Ikone auf Holz aus dem 15. Jahrhundert
Diana ist die Göttin der Nacht, des Schicksals, der weiblichen Fruchtbarkeit und Sexualität. Als Göttin der Nacht ist ihr die Farbe schwarz zugeordnet, genauso wie ihren Kolleginnen Iisis, Lilith und Kybele ist diese Farbe zugeordnet.
431 n. Christus erklärte das Konzil von Ephesus ausgerechnet an dem Ort, wo sich einer der wichtigsten Tempel Dianas bzw. Artemis ihrem griechischem Gegenstück befand, Maria zur Mutter Gottes, die Wahl dieses Ortes war sicher kein Zufall, ebensowenig wie der blaue Mantel der Maria angezogen wurde. Die Farbe blau spielt in allen matriarchalen Religionen eine zentrale Rolle.
Bei diesem Konzil wurden die Verehrungsstätten der Kybele der Muttergottes der christlichen Religion zu gesprochen. In der folgenden Zeit haben viele Städte Maria anstelle der heidnischen Göttin Kybele als ihre Schutzpatronin angenommen.
Da man Maria zu einer reinen, »unbefleckten« und jungfräulichen Mutter erkoren hat, der Sexualität fremd war, gestaltete es sich weiter schwierig die heidnischen Göttinnen zu verdrängen. Noch im 7. Jhd. soll die fränkische Bevölkerung Diana verehrt haben.
Schließlich baute man an den Plätzen an denen schwarze Göttinnen wie Diana verehrt wurden Kirchen, widmete sie der Muttergottes, die allerdings wie ihre Vorgängerin Diana schwarz war, und das Problem mit den heidnischen Göttinnen war endgültig gelöst.

Gnadenbild der Gnadenkapelle Altötting
Bild:By S. Finner: Siddhartha Finner
Es ist davon auszugehen, daß es sich bei allen Orten, an denen heute Menschen zur schwarzen Madonna beten um alte Kultstätten handelt. Der Ursprung dieser Stätten reicht sicher viel weiter zurück, als es aufgrund kirchengeschichtlicher Überlieferungen den Anschein hat. Das uns diese Stätten auf diese Art erhalten blieben ist erfreulich, wo doch im Zusammenhang mit der Hexenverfogung das meiste des alten matriarchalen Wissens und Glauben vernichtet wurde.

Bewußtseinsformen patriarchaler Gesellschaften sind: Askese und Selbstkasteiung, Sündenwahn und Schuldgefühle, Buße und Erlösungshoffnungen, eine lustfeindliche, neurotisierende Sexualmoral, eschatologische Endzeiterwartungen und apokalyptische Strafgerichte. Die Menschen leben in innerer Zerrissenheit von Trieb und Geist und in der politischen und ökonomischen Ohnmacht einer Klassengesellschaft, die Hoffnungen und Sehnsüchte nach der verlorenen Utopie eines Paradieses entwickelt.
Mutterrechtlichen Kulturen sind diese Bewußtseinsformen fremd, das Anerkennen der Natur als heilige Materie ist Grundlage des matriarchalen Prinzips. Das bezieht sich auch auf die Natur in uns selbst. Ziel ist nicht die Natur Untertan machen, sondern in Harmonie mit ihr und sich selbst zu leben.

Vielleicht kommt der Tag an dem an diesen alten Stätten, Männer und Frauen in einer neuen Gesamtheit der Zeit gedenken, als sie sich nach Matriarchat und Patriarchat, gemeinsam aufmachten unsere »Mutter Erde«, dem strahlend blauen Planeten (... tragen nicht viele Madonnen blaue Mäntel?) der zunehmend vergraut, vor der drohenden Vernichtung zu bewahren.

Mittelalterliche Madonnen Poesie - schwarz und weiss

Rosenhagmadonna, ca. 1448 von Stefan Lochner
Bild: Stefan Lochner [Public domain], via Wikimedia Commons
Maria Fraue, sei gegrüßt
Dein reiner Leib ist gesüßt.
Wie der Ölbaum du fruchtig bist,
Göttlicher Saft von Dir ist,
Daß Wucher unsere Speis' bekommen
Und aller Hunger von uns genommen.
Sei gegrüßt, Du Magd und würdiger Nam'
Du klares Licht der wahren Scham
Und bitt Dein Kind um unser Heil
Gib mir Deiner Gnade Teil.

Sei gegrüßt, Du Taube rechter Güt'
Sanft durchdringe mein Gemüt.
Gib mir von Federn ein Ringelkleid
Damit ich zu fliegen werde bereit,
Weg von der Unstatt dieser Mißwende,
Dahin, wo Ruhe ist, ohn' Ende.

Sei gegrüßt, Du Magd sondergleichen!
Hoher Trost, uns nicht entweiche.
Behalte unter Deinen Armen
Mich Waisen und viel Armen.
Denn nächst Gott vor allen Dingen
Gilt Dir allein mein Singen.

Sei gegrüßt, Magd hochgeboren,
Gewachsene Blum' auf dem Dorn.
Gewähr mir, Mutter, wess' ich begehr
Steh auf und eile zu mir her.
Reich Deine Hand zum Steuer mir.
Zieh und bringe mich auf zu Dir.

Sei gegrüßt, Magd, Dir lobsingen
Zier und Schönheit aller Dinge.

(15. Jhd.)Quelle: Hugo Ball,Ein geistlich Liederbuch für Emmy
Madonna Einsiedeln
Bild:www.wallfahrt-einsiedeln.ch
Schwarze Madonna, du bist sehr schön.
So sah ich dich auf dem Sockel stehn.
Du bist ganz schön, ganz süß und lind.
Eine goldene Krone trägt dein Kind.

Du bist so schön, daß vor dir nichtig werden
Alle Bilder und Blumen und Künste der Erden.
Du bist ganz schön ... Du hast alles vollendet.
Alles Leid hast du in Liebe gewendet.

Du hast alle Finsternis von uns genommen.
Alle Tränen-Meere sind vor dir erglommen.
Du hast ja die Schwerter im Herzen getragen,
Und alles Leben sahst du versagen...

Du bist ganz schön ... Oh, du bist die Erfüllung,
Alles Unsäglichen tröstliche Stillung.
Du hast alles leicht gemacht und erhoben,
Alle Furcht in den göttlichen Schein gewoben.
Du bist so schön, weil du lächeln konntest,
Weil du die Fruchtbarkeit übersonntest.
Weil du dein Kind noch einmal beglücktest.
Als du dich über den Leichnam bücktest.

Du bist ganz schön, o du Mutter der Qualen.
Wie bist du dunkel von Liebesmalen!
Wie bist du bewundert in scheuen Träumen.
Die dich ganz hell und zart umsäumen! ...

Quelle: Hugo Ball,Ein geistlich Liederbuch für Emmy


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