Trennfarben, Rangfarben und Kleiderordnungen

Trenn- und Rangfarben haben eine lange Tradition. Schon im Altertum dienten sie dem Zweck Hierarchien, Stände und soziales Ansehen äußerlich sichtbar zu machen.
Die wichtigsten Farben der griechisch-römischen Antike waren rot und weiß . Rot stand für Kraft und Stärke, weiß für Reinheit und Erhabenheit. So waren rot und weiß die Farben der Oberschicht. Das Oberkleid der Römer, die Toga war weiß mit einem purpurnen Streifen verbrämt, die Römerin der Oberschicht trug eine Palla, für die eine Farbpalette von Rot bis grün zur Verfügung stand. Gelb war für die Dirnen, grau und graublau für die Sklaven und unteren Schichten vorgesehen.

Im islamischen Ägypten mußten die Christen eine blaue, die Samariter eine rote und die Juden eine gelbe Kopfbedeckung tragen.

Mit Beginn der Kreuzzüge im 12. Jahrhundert wurden die antiken Trennfarben von den christlichen Ländern übernommen. Die mittelalterliche Gesellschaft gliederte sich in Stände, denen jeweils bestimmte Aufgaben und Funktionen zugeordnet waren. Zur äußerlichen Abgrenzung dienten Rangfarben.
Ab dem 12. Jahrhundert wurden Kleiderordnungen erlassen, die bis zur Französischen Revolution in Europa bestimmten , wer was und welche Farben tragen durfte. Die Farbe der Kleidung keine Frage des Geschmacks, sondern eine Frage der Macht und des Geldes.

Dem Adel waren, als Zeichen seiner Würde die Farben rot, blau, grün, gelb, braun, weiß und schwarz vorbehalten. Die Farben mußten rein und leuchtend sein, denn jede Schattierung erweckte den Eindruck des Schmutzigen. Den unteren Ständen war grau vorgeschrieben, der graue Leibrock der Bauern und Knechte, der meist aus ungefärbter Wolle oder Leinen bestand, symbolisierte durch seine schmutzige Farbe die soziale Minderwertigkeit des Trägers.
Randgruppen der christlichen Gesellschaft, wie Dirnen, Juden oder Araber wurden durch Trennfarben meistens gelb und das Tragen von bestimmten Kopfbedeckungen gekennzeichnet.

Codex Manesse Suesskind von Trimberg
Juden mußten neben einem trichterförmigen gelben Hut, zusätzlich einen auf der Brust aufgenähten gelben Ring tragen. Bedauerlicher Weise wurde dieses Konzept auch noch in unserem Zeitalter mit dramatischen Konsequenzen praktiziert. Damit die Signalwirkung der gelben Trennfarbe vergrößert wurde, schrieben einige Länder diesen Randgruppen vor in den Stoffkreis noch rot oder blau einzuarbeiten.
Neben Juden wurden auch Ketzer, Hexen, Wiedertäufer und alle Personen, die ein unehrenhaftes Handwerk betrieben (z.B. Abdecker und Scharfrichter samt Familienmitgliedern durch Trennfarben ausgegrenzt. Eine Reichspolizeiverordnung aus dem Jahre 1530 sieht für die Frauen der Scharfrichter, die meist die Aufsicht über Frauenhäuser und Bordelle hatten gelbe Kopftücher vor.

Die Gewandfarbe der Dirnen selbst hat eine Tradition bis in die Antike zurück. Bei den Griechen und Römern mußten die Dirnen gelbe Haare bzw. Perücken tragen, dazu eine überwiegend gelbe Ausstattung der Kleider. In einer Verfügung der Stadt Köln des Jahres 1389 wurden unehrenhaften Frauen rote Mützen befohlen. Mit Ausbruch der Syphilis wurden die Kleiderordnungen der Dirnen immer strenger und detaillierter, so daß sie schon von weitem erkennbar wurden.

Auch die Verwendung von Siegelfarben erfolgte nach den Abstufungen der Stände und Ränge. Der Kaiser und der Adel benutzten rotes oder weißes Wachs. Nach rot und weiß drückten grün, blau und schwarz das absteigende Stufenverhältnis der Stände aus.

Heute müssen wir uns weder Kleiderordnungen, Trenn- oder Rangfarben unterordnen, und doch gibt es in unserer Gesellschaft z.B. "Rote", "Grüne", "Schwarze", leider auch "Braune" Gruppierungen, denen wir uns aufgrund unserer, in diesem Fall politischen Gesinnung, freiwillig zuordnen. Ähnlich stark ist es bei den Anhängern von Fußballclubs erkennbar, hier in München gibt die "Roten" und "Blauen", fast jeder weiß welche Vereine damit gemeint sind, und welch unterschiedlichen Welten sich hier auftun.

Auch heute trennen wir uns noch immer durch Kleidung von einander ab, bzw. zeigen die Zugehörigkeit zu Gruppierungen oder Gesellschaftsschichten. Dafür verwenden wir heute allerdings weniger Farben, dafür zum größeren Teil Marken und bestimmte Materialien.


 

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