Was ist dran an Bauernregeln?

Primel im März, Frühling werd's
Primel im März, Frühling werd's -Primel im April lang war's hin
"April, April, der macht was er will!" Die wohl bekannteste aller Bauernregeln kommt alljährlich im Frühjahr ins Gespräch. Sie soll beschreiben, das die unbeständige Wetterlage bedingt durch unterschiedliche Luftdruckgebiete für abwechslungsreiche Tage mit Sonne, Wind und Regen sorgt. Aber ist da überhaupt etwas dran? Und woher kommen diese Regeln und Weisheiten eigentlich? Ist das Wetter im April tatsächlich jedes Jahr wechselhaft? Dank modernster Technik, wie dem neuen Superrechner des Deutschen Wetterdienstes, können schon lange verlässliche Vorhersagen getroffen werden. Zudem lassen sich die Daten vergangener Jahre auswerten. Daraus können Experten Rückschlüsse auf das zu erwartende Wetter ziehen und im Rückblick Regelmäßigkeiten orten.

Aufgrund der umfangreichen Datensammlung ist bekannt, dass ein durchschnittlicher April in Deutschland Temperaturen zwischen 5 und 15 Grad mit sich bringt. Fast 20 Tage des Monats sind Regentage. Im Durchschnitt scheint pro Tag allerdings fünf Stunden lang die Sonne. Kein Wunder also, dass es heißt der April mache was er wolle! Das Umweltbundesamt hat eine große Menge verfügbare Wetterdaten zusammengefasst. So gibt es zum Beispiel einen Rückblick über die Temperaturentwicklung in Deutschland. Und dieser befördert Erstaunliches zu Tage: 2015 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881.

Ursprung der Wetterweisheiten

blauer Himmel weisse Wolken
Bei einer so himmelblauen Aussicht ist es wohl klar, dass die Sonne scheint. Aber wie kann darauf eine Aussage über zukünftiges Wetter getroffen werden?
Bauernregeln sind gereimte Sprüche, die sich meist auf das Wetter beziehen. Das hat großen Einfluss auf die Landwirtschaft. Schon früher war daher derjenige im Vorteil, der es bestmöglich voraussagen konnte. Moderne meteorologische Geräte und Vorhersagetechniken gab es dazu allerdings noch nicht. Die Menschen mussten sich anders behelfen. Viele der Regeln basieren auf mündlichen Überlieferungen von angeblich mit dem Wetter zusammenhängenden Ereignissen.

"Wenn im Januar viel Nebel steigt, sich ein schönes Frühjahr zeigt" deutet an, dass sich anhand des Nebels bereits zu Jahresbeginn abschätzen lässt, ob das Frühjahr sonnig wird. Nur einige der Bauernregeln haben aber einen wirklich wissenschaftlichen Hintergrund. Generell gibt es für jeden Tag des Jahres eine passende Regel. Häufig sind diese an Feiertagen und bestimmten Bauerntagen orientiert. "Ist es um Martini trüb, wird der Winter lind und lieb" spielt zum Beispiel auf den Martinstag am 11. November an. Eine Liste mit den bekanntesten Regeln findet sich hier.

Sind die Bauernregeln überhaupt wahr?

Erstaunlicherweise haben statistische Untersuchungen gezeigt, dass an Bauernregeln tatsächlich etwas Wahres dran ist. Dazu müssen allerdings zwei Dinge beachtet werden.

  • 1. Woher stammt die Regel?

    Die Eintreffwahrscheinlichkeit liegt ziemlich hoch, wenn die Regel einer Region zugeordnet werden kann. Das geht besonders gut, wenn bestimmte Wörter verwendet werden, wie zum Beispiel Jänner anstelle von Januar: "Im Jänner dickes Eis, im Frühling üppig Reis". Damit ist klar, die Weisheit stammt aus Süddeutschland, nicht aus Norddeutschland und ist für diese Gegend auch nicht gültig. Für die Regel "Ist der Mai kühl und nass…" haben Experten mehr als 50 verschiedene Endungen gefunden. Es haben wahrscheinlich in 50 verschiedenen Regionen Landleute ihre eigenen Beobachtungen gemacht und diese dann an ihre Nachfahren weitergegeben. Wenn eine Weisheit also einmal nicht zutrifft, kann es daran liegen, dass sie aus einer anderen Region stammt.
  • 2. Wie alt ist die Regel?

    Weiter gilt, dass sich das Wetter, nicht zuletzt auch durch den Klimawandel, über die Jahrhunderte stark verändert hat, so dass alte Bauernregeln in der heutigen Zeit womöglich nicht mehr zutreffen. Wie alt ein solches Sprichwort ist, ist jedoch nicht so leicht herauszufinden.

Wetteraufzeichnungen zeigen, die Regeln stimmen zu etwa 60%

Von Bauernregeln, bei denen bekannt ist, aus welcher Gegend und aus welchem Zeitraum sie stammen, konnten Meteorologen herleiten, dass sie recht häufig zutreffen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit liegt im Schnitt bei immerhin 60%. Für Schlussfolgerungen, die nur auf Beobachtungen ohne nennenswerte Messgeräte basieren, ist das eine gute Quote. Über die Jahre haben sich wahrscheinlich lediglich die Weisheiten durchgesetzt, die sich als zutreffend gezeigt haben.

Verwendung von Bauernregeln heute

Wer heute wissen möchte, wie die Wettervorhersage aussieht, wirft einen kurzen Blick aufs Smartphone oder den Laptop. Bauernregeln verschwinden zunehmend aus dem Sprachgebrauch. Einige Varianten halten sich allerdings, wie das Beispiel über den sprunghaften April zeigt. Wie viele der ursprünglichen Regeln noch bekannt sind, können Interessierte in den Wissenstests von Mein-wahres-Ich.de testen. Dort gibt es ein großes Quiz zum Thema.

Blitz am Gewitterhimmel, Holzhütte auf Feld
Für Landwirte damals wie heute spielt das Wetter eine entscheidende Rolle für ihre Planung
Vor kurzem wurde die Debatte über die Wetterweisheiten erneut angeregt, als das Bundesumweltministerium umformulierte Regeln in einer Kampagne für umwelt- und tierfreundliche Landwirtschaft verwendete. Der Spaß kam bei vielen Landwirten allerdings nicht so gut an. Für sie ist das Thema Wetter wohl ernster als für den Otto-Normal-Bürger, da ihre Existenz von ihm abhängt. Zwar müssen sie nicht mehr auf überlieferte Bauernregeln zurückgreifen um ihre Aussaaten und Ernten zu planen, aber genau aus diesem Grund sind Bauernregeln schließlich entstanden. Für Landwirte früher - und damit für ganze Familien und Dörfer - war eine gute Planung überlebenswichtig. Im 21. Jahrhundert wurden die Bauernregeln mehr und mehr zu einem spaßigen, weniger ernst gemeinten Allgemeingut. Viele neue Wortspielereien sind entstanden, wie zum Beispiel: "Kräht der Hahn früh auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist".

Das Wetter selbst erkennen

Wer draußen unterwegs ist und ausnahmsweise mal keinen Zugriff auf sein Smartphone oder Internet hat, kann sich einige Tipps und Tricks merken, um das Wetter selbst vorhersagen zu können. Besonders Regen und Gewitter erkennen zu können ist äußerst praktisch. Schlechtes Wetter kommt häufig dann, wenn der Himmel blass aussieht und Geräusche besonders deutlich und von weit her zu hören sind. Wer es lieber nicht darauf ankommen lassen will, dass er mit seiner Deutung wirklich richtig liegt, dem sei weiterhin geraten vor dem Verlassen des Hauses den Wetterbericht zu schauen.


 

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