Farben in Religion und Kultur

Kirchenfenster aus buntem Glas
In allen Religionen und Kulturen spielen seit jeher Farben eine wesentliche Rolle. Riten und Gebräuche werden in den unterschiedlichen Religionen und Kulturen von bestimmten Farben begleitet, und haben in den verschiedenen Gesellschaften unterschiedliche Bedeutungen.


Besonders bei Kirchen und Religionsgemeinschaften spielt die Symbolkraft der Farben, und ihre Wirkungen auf die Menschen eine entscheidende Rolle, bei manchen mehr, bei anderen bewußt weniger. Während die protestantische (evangelische) Kirche weniger Wert auf besonderen Farbenschmuck und Buntheit, auf großartige und möglichst kostbare Ausschmückung ihrer Kirchen mit Gemälden, Wandbemalungen und Skulpturen, Fenstern usw. legt, fand die katholische und die orthodoxe Kirche einen großen Gefallen an besonders prächtigen und oftmals "luxuriös" ausgeschmückten Gotteshäusern und Kathedralen. Heute bilden die genialen Werke der großen Meister früherer Bau-, Mal- und Bildhauerkunst unschätzbare kulturelle Werte, soweit sie erhalten geblieben sind und von uns bewundert werden können.


      Violett      

  • Violett steht für den Übergang in die Harmonie der Gegensätze, zwischem dem vertrautem Alltag und dem unbekannten, unheimlichen Reich der Geister, Gespenster und Dämonen.
  • Bei vielen, von der kulturellen Zivilisation relativ unbeeinflußten Menschen der Erde erfreut sich violett außerordentlicher Beliebtheit. Je höher zivilisiert und kompliziert die Kulturen und je höher ihr intellektuller Anspruch und Einkommen sind, desto mehr stößt violett auf Ablehnung.
  • Bei den mittelalterlichen Mystikern des Abendlandes, aber auch in vielen anderen Kulturkreisen, verbindet sich die Welt des Körpers (rot) mit der Welt des Geistes und Himmels (blau) zum faszinierenden Mysterium (violett), in dem völlig andere als die bekannten Gesetze gelten.
  • Im Buddhismus finden sich neben gelb und orange viele violette Gewandungen.
  • Die Farbe des Hinduismus und des Feminismus.
  • Im Feminusmus symbolisiert violett den Anspruch der Frauen auf die Macht und die Gleichheit von Männern und Frauen.
  • Im kirchlichen Bereich symbolisiert violett einerseits die Rangfarbe der Bischöfe, andererseits die Farbe der Buß - und Fastenzeit, vor Ostern und Weihnachten.
    In der evangelischen Kirche in der Advents- und Passionszeit und an den Buß- und Bettagen.

Blau

  • In orientalischen Ländern werden Türen und Fenster blau gestrichen, um auf diese Weise die guten Geister und Götter (die sich in den meisten Religionen im Himmel oder auf hohen Bergen jenseits der Wolken befinden) auf sich zu lenken.
  • Aus dem alten Orient stammt die Sitte, Säuglinge in blaue Tücher zu hüllen, eine Tradition die sich im Patriarchat ausschließlich auf kleine Jungs erstreckte, weil Mädchen dort weniger "wert" sind. Die Sitte wurde vom Abendland übernommen, das als weibliches Äquivalent weibliche Babys in das dem gesellschaftlichem Rollenverhalten entsprechende zartrosa steckte.
  • In matriarchalen Kulturen spielte blau eine zentrale Rolle. Die Gottesmutter Maria schmückt ein blauer Mantel, nach der ihr zugeordneten Rolle verkörpert sie Ruhe und Innerlichkeit, Treue und Tradition.
  • Im alten Ägypten war dunkelblau die Farbe des Wassers und damit auch der lebensspenden Nilgottheiten. Aufgrund ihrer Vorstellung, daß in blau eine wundersame Heilwirkung innewohnt, trugen die Ägypter viel blauen Schmuck. Bei besonderen festlichen Gelegenheiten trug der Pharao einen blauen Helm, um seine direkte Abstammung von den Göttern des Himmels zu dokumentieren.
  • Auch in China symbolisiert blau die Mächte des Himmels und der Unsterblichkeit.
  • In Indien werden verschiedene Gottheiten mit blauem Kopf oder mit blauer Hautfarbe dargestellt. Ein in blau gemalter Elefant gilt dort als das Zeichen für höchste Vergeistigung und göttliche Erleuchtung.

Grün

  • Grün ist Leben, grün wächst, grün kommt - hoffentlich immer wieder. Uraltes Wissen sagt uns, daß unser Überleben nur dann gesichert ist, wenn wieder frisches Grün aus der Erde sprießt. Grün ist das Symbol der Hoffnung auf Leben und Überleben. Unterschiedliche Zonen der Erde, Rassen, Kulturen und Religionen finden unter diesem Zeichen der Hoffnung zusammen.
  • Das Christentum, dessen Heilsbringer Jesus mit einem frischen grünen Palmwedel in Jerusalem einzog.
  • Der Islam, dessen Prophet Mohammed gesagt haben soll, das Anschauen des Grünen sei Gottesdienst. Aus diesem Grund ist Grün die Kultfarbe des Islam. In allen islamischen Ländern steht die Farbe grün für die moslemische Religion und wird ausschließlich in religiösem Context verwendet.
  • Grün findet sich auch in den Nationalfahnen der meisten Wüstenstaaten, das Überleben in den Weiten der endlosen Wüsten ist nur gesichert wenn man rechtzeitig eine grüne Oase erreicht.
  • Bei uns ist es Sitte uns im Winter als Symbol der Hoffnung einen immergrünen Weihnachtsbaum in die Wohnstube zu holen, so war es bereits in vorchristlicher heidnischer Zeit.
  • In Alt-Palästina trugen Bräute ein grünes Hochzeitskleid, um mit der Farbe die Hoffnung auf ein glückliches Leben und Fruchtbarkeit (guter Hoffnung sein) anzuzeigen.
  • Auf der grünen Insel Irland repräsentiert grün den Katholizismus.

Gelb

  • Gelb ist die leuchtendste Farbe und assoziert die Sonne, die meisten Religionen schreiben deshalb der Sonne eine zentrale Bedeutung zu, und verehrten sie als lebensspendende Gottheit.
  • Die Farbe des Lamaismus.
  • Viele Kulturen sagen der Farbe Gelb eine schützende Wirkung nach.
  • In Indien trugen die Bräute vor der Hochzeit zerrissene, gelbe Kleider zur Vertreibung von bösen Geistern.
    Im Orient, in Ägypten, Rußland, und in manchen Balkan-Ländern ist gelb Hochzeitsfarbe.

Rot

  • In China die Farbe von Glück und Reichtum.
  • In Rußland steht die Farbe Rot für die Begriffe wertvoll und teuer.
  • In Japan ist rot die Farbe der Frauen.
  • In der katholischen Kirche symbolisiert es Blut und Feuer; Pfingsten, Leiden Christi und Märtyrerfeste. In der evangelischen Kirche an Pfingsten, Apostel- und Märtyrerfeste.
  • Wer in Korea einen Namen in rot schreibt, signalisiert damit, daß diese Person tot ist.
  • Rot gilt in manchen Gegenden Afrikas als Farbe des Lebens. Deshalb werden in bestimmten Regionen Zentralafrikas und Ozeaniens Kranke mit rotem Ocker bestrichen, um ihre Lebenskraft anzuregen. Bei den Ashanti im westafrikanischen Ghana ist rot dagegen die Farbe der Trauer.
  • Das Tragen roter Bänder oder Tücher gehörte bei vielen Völkern zu den Hochzeitsbräuchen. Diese Tradition gab es schon in der Römerzeit: Die römischen Bräute wurden mit einem feuerroten Tuch umhüllt, noch heute tragen neugriechische, albanische und armenische Bräute rote Brautschleier.
  • In China wird die Braut in einem roten Brautkleid und einer roten Sänfte zum Ort der Hochzeitsfeier getragen. Wenn ein Kind geboren wird, überbringen die Nachbarn dem glücklichen Paar rote Eier, als Zeichen für Glück und Wohlergehen.
  • Schon im alten China war rot die Glücksfarbe, die Kräfte und böse Geister vertrieb und galt zugleich als Farbe des Reichtums.
  • In alten Ägypten war rot eine kostbare Farbe mit der sich die Töchter der Pharaonen schmückten. Bei den Ägyptern kam das Schminken von Wangen, Lippen und Fingernägeln in Mode. Um ein wenig Purpurrot zu gewinnen, mußten Sklaven tausende von Purpurschnecken sammeln, zerstampfen und zu Sud zerkochen.
  • Auch im alten Rom fand die auffallende und kostbare Farbe Anklang, aber nur sehr wenige konnten sich den teueren Farbstoff leisten. Lange Zeit war es allein den Senat vorbehalten, eine rote Taga zu tragen.

Weiss

  • Am Anfang war das Nichts, aus ihm gebar sich alles, sagen die heiligen Bücher der Asiaten. »Gott sprach: Es werde Licht« sagt die Bibel. Weiss ist das Gegenteil von Schwarz, dem Nichts, dem Chaos, das auf ordnende Gestaltung wartet, durch das Licht der Erleuchtung.
  • Weiss ist die Heimat des Lichts, das alles Sichtbare gebiert. Diese Vorstellung durchzieht die meisten Religionen dieser Welt. In ihnen wird meistens das lichte Prinzip eines männlichen Schöpfergottes, der dunklen, weiblichen Urgottheit Erde entgegengestellt.
  • In östlichen Kulturen wie z.B Japan, ist es die Farbe der Trauer und des Todes.
  • In westlichen Kulturen ist die Braut oft weiß gekleidet. Hier symbolisiert die Farbe Weiß die Reinheit und Unbeflecktheit der Braut. Daher stammt auch der Brauch, dass zwar die Brautkleider weiß waren und häufig auch noch sind, die Kleidung des Bräutigams hingegen nicht. Zudem bleibt bei einer Hochzeit die Farbe Weiß der Braut vorbehalten. Es schickt sich als Gast nicht, in einem weißen Kleid oder einem weißen Anzug einer Hochzeit beizuwohnen.
  • Eine Frau in Korea trägt weiß zur Beerdigung.
  • In der katholischen Kirche als Lichtfarbe, bei Herren- und Marienfesten. In der evangelischen Kirche an allen Christusfesten.
  • Die Farbe des Parsismus.

Orange

  • Orange repräsentiert in Irland den Protestantismus.
  • Der Dalai Lama und andere erleuchtete Buddhisten zeigen sich in orange. Im Buddhismus ist Orange die Farbe der höchsten Stufe der menschlichen Erleuchtung.
  • Die offiziellen Würdenträger Chinas tragen ebenfalls orange.
  • In den Niederlanden gilt orange als Farbe der Freiheit.
  • Weiter ist Orange die durch und durch körperbezogende Farbe der Karibik, des Samba und der fröhlichen offenen Begegnung.

Schwarz

  • Am Anfang war das Nichts, aus ihm gebar sich alles, sagen die heiligen Bücher der Asiaten. »Gott sprach: Es werde Licht« sagt die Bibel.
    Schwarz und Weiß wurden von Anbeginn der Menscheitsgeschichte eine große Bedeutung zugeschrieben, sie verkörpern die Prinzipien Licht und Finsternis, Gut und Böse, Leben und Tod, die größten, menschenbewegenden Gegensätze überhaupt. Beides zusammen ist erst das Sein in seiner Gesamtheit, dieses Weltbild liegt fast allen Religionen zugrunde.
  • Schwarz ist die Farbe der Trauer in Deutschland oder den USA.
  • Die Farbe der Kirche und der Trauernden.
  • In der katholischen Kirche an Karfreitag und Messen für Verstorbene. In der evangelischen Kirche an Karfreitag, Karsamstag und Trauertagen.
  • In Indien umranden Mütter noch heute die Augen ihrer Kinder mit schwarzem Lampenruß, um sie vor dem »bösen Blick« zu schützen.

Braun

  • Braun kommt nicht im Regenbogen vor, es gibt kein braunes Licht, und der Himmel der nahezu in allen Farben getönt sein kann, kennt diese Farbe nicht. Doch braun ist uns seit Urzeiten vertraut, braun ist der Boden, die Erde, das Feste und Sichere unter unseren Füßen.
  • In der Nazi-Diktatur war braun Staatsfarbe. Der Ursprung der braunen Uniform kommt aus übersteigerter germanischer Mytologie. Die »Braunhemden« wollten bewußt Erinnerungen an die »Berserker«, die Bärentöter (einem archaischen, bärenfelltragenden Männerbund) wecken, und glaubten sich in diesem Sinne elitär außerhalb der Gesetze stehend. Sie verkörperten das Gesetz selbst, das Recht des Stärkeren, der töten darf und (aufgrund ihrer mystischen Schicksalsgläubigkeit) töten muß.
    Nach außen hin, für die übrige Bevölkerung, symbolisierten sie erdhafte Sicherheit und Zuverlässigkeit. Genau daran mangelte es in dieser Zeit, nichts war sicher und zuverlässig. So strömten Massen zu den »Braunen«, weil sie sich dort endlich einen festen Halt, einen soliden, stabilisierenden Machtfaktor versprachen.
    Wie allmächtig dieser »stabilisierende« Machtfaktor nach 1933 wurde ist uns bekannt. Der Kreis den die »Braunen« mit ihrer Erdverbundenheit (Blut und Boden, Heimatscholle) begonnen hatten, schloß sich konsequent: sie gaben erst Ruhe, als sie die Städte, Menschen und schließlich sich selber wieder zurück zum »Braun« gebracht hatten - nämlich in die Erde.

Die Farben im Kirchenjahr.

In vielen Kirchen, werden bestimmte Farben benutzt, um bestimmte Perioden im liturgischen Jahr zu kennzeichnen. Die Traditionen sind von Konfession zu Konfession und auch Gemeinde zu Gemeinde anders, aber hier ist ein Schema, das wohl jeder verstehen würde.

  Blau für Advent
Gold für Heiligabend und den 1. Weihnachtstag
Weiss für den Rest der Weihnachtszeit und Epiphanias
Lila/Violett für die Fastenzeit von Aschermittwoch bis zum Tag vor Palmsonntag
Blutrot für den Zeitraum Palmsonntag bis Gründonnerstag
Schwarz für Karfreitag und Ostersamstag
Gold für Ostersonntag
Weiss für den Rest der Osterzeit bis Pfingsten
Feuerrot für Pfingstsonnstag
Grün für alle anderen Tage im Jahr


 

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