Farbspiele auf dem Teller - wie ein Menü zum echten Augenschmaus wird

Lagerfeuereintopf
Eigentlich, so sagt man, komme es doch auf die inneren Werte an. Das gelte für Menschen ebenso wie für alle anderen Lebensbereiche - das kulinarische Ereignis vor einem auf dem Teller eingeschlossen. Hauptsache, es schmeckt!

So weit, so richtig, wäre nicht...ja, wäre der Mensch nicht ein verführbares Wesen, dass den Reizen von Ästhetik und Schönheit hoffnungslos erlegen ist. Das Auge isst mit! So alt diese Weisheit auch sein mag, so regiert sie doch zweifellos das Geschehen zwischen Kochtopf, Herd und Suppenkelle. Und auch wenn das Bekenntnis zur Oberflächlichkeit dem ein oder anderen schwer im Magen liegt: Ansehnlich drapiert, dekoriert und angerichtet schlemmt es sich zugegebenermaßen einfach besser. Somit schwingt das Diktat der Schönheit auch in der Küche sein gnadenloses Zepter und heizt den Köchen dieser Welt ordentlich ein. Mit der Präsentation auf dem Teller beginnt längst das kulinarische Vergnügen - auch wenn da noch kein Happen angerührt ist.

Und warum auch nicht? Essen als Gesamtpaket der Verwöhnkunst zu inszenieren, ist auch eine Ode an das Leben selbst. Das Klassenziel: Jeden Moment mit all seinen Sinnen zu begreifen. Wer seine Gerichte nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch anreizend herrichtet, serviert mit der Ästhetik einen zusätzlichen Gang dazu...nämlich einen Genussmoment für das Auge.

Neben aller Kunst, das Essen in Form und Formation auf Hochglanz zu polieren, kann dabei auch mit einer bewussten farblichen Komposition zu neuen Ufern des Genusses aufgebrochen werden. Gerichte nach Farben zusammenzustellen, ist eine im wahrsten Sinne des Wortes "schöne" Herausforderung - und dürfte bei Gästen definitiv Eindruck schinden.

Wer also bei einem Dinner unter Freunden der Geschmacksexplosion am Gaumen eine Farbexplosion auf dem Teller vorangehen lassen möchte, kann dies zum Beispiel mit einem Menü tun, bei dem jeder einzelne Gang seinem eigenen Farbthema folgt: Während ein warmes Rot für erste Kitzler am Gaumen sorgt, stillt ein strahlendes Gelb den Hunger - um dann in sattem Grün einen süßen Schlusspunkt zu setzen. Wie das im Einzelnen aussehen (und schmecken) kann, dazu hier ein Beispiel:

Tomaten

Entree in Rot - der warme Gaumenkitzler

Als Entree in Rot präsentiert sich eine Ziegenkäse-Terrine mit Tomatensalat. Ziegenkäse, Quark, Olivenöl und geröstete Pinienkerne ergeben miteinander vermengt und zusammen mit aufgelöster Gelatine und etwas Sahne in Form gegossen nach etwa 5 Stunden im Kühlschrank die noch farblich unentschiedene Terrine. Für zweifelsfrei rote Akzente sorgt vielmehr der Tomatensalat, der durch eine im Backofengrill geröstete Paprika und etwas Gurke farblich wie geschmacklich bereichert wird. Um auch der Terrine noch ein Stück weit rotes Leben einzuhauchen und dem Gericht feurig-rotes Temperament zu verleihen, können am Ende noch ein paar Chiliflocken über das kulinarische Gesamtkunstwerk gestreut werden.

Hauptgang in strahlendem Gelb - stillt den Hunger und bringt Sonne ins Herz

Risotto
Leuchtend gelb kommt derweil als Hauptgang ein waschechter Klassiker der italienischen Küche daher - vorausgesetzt er geht eine spannende Kreuzung mit einem griechischen Inselgewürz ein. Für ein sämig-schmackhaftes Safranrisotto braucht es neben der obligatorischen Geduld beim Rühren vor allem Risottoreis, Safranfäden, Schalotten, Geflügelfond, Butter, Weißwein und Parmesan. In der erhitzten Butter werden zunächst die Schalotten und wenig später der Reis gedünstet. Mit Wein abgelöscht und dem kochenden Geflügelfond nach und nach aufgegossen ergibt sich ein Gemisch, das immer wieder gut verrührt und geschwenkt werden will. Auf dem Schlussspurt kommen die zuvor in Wasser aufgelösten Safranfäden hinzu, gefolgt von der Butter und dem Parmesan. Ein einfaches Gericht, dass aber nicht nur den Teller, sondern auch die Gourmets am Tisch sonnig strahlen lässt.

Dessert in Grün - erfrischt und vitalisiert

Pistazienbaum
Nach den feurig roten und würzig gelben Geschmackserlebnissen kann ein Dessert in Grün das Menü zu einem panafrikanischen Farbtrio komplettieren. Süß, aber gar nicht grün hinter den Ohren ist dabei eine Pistazien-Creme. Das Mascarpone-Highlight hat es geschmacklich nämlich absolut in sich und erinnert nur äußerlich an die Unschuld vom grünen Lande. In circa einer Viertelstunde ist Mascarpone mit Milch, Rum, Zucker, Vanillezucker, Zitronenaroma und feingemahlenen Pistazien verrührt und in den Kühlschrank verfrachtet. Nach vier Stunden ist die süße Masse dann bereit für ein Apfel-Finish: Grüne Äpfel halbieren, zur Hälfte in Scheiben, zur Hälfte in Stücke zerteilen und auf die Creme verteilen. Fertig ist der ideale Ausklang eines farbenfrohen Abends.
fertiger Eintopf vom Lagerfeuer

Für all diejenigen, denen die kunterbunte Phantasie keine Grenzen setzt, wohl aber das küchentechnische Handwerk, gibt es im Übrigen keinen Grund, schwarz zu sehen: Kochkurse, die auch besondere Künste des Küchenwerkelns lehren, gibt es satt. Wer zudem noch jemanden kennt, der in Sachen Kochartistik ein Update gut gebrauchen kann, hat gleich auch ein passendes Geschenk parat.


Weitere Themen in der Rubrik Ernährung

 

Facebook & Co.